Diplomfeier Benedict-Schule St. Gallen
Donnerstag, 19. Mai 2016 im Pfalzkeller St. Gallen


Fröhliche Diplomfeier der Benedict-Schule im Pfalzkeller St. Gallen
Berufswelt im Wandel - Vom Datenentsorger bis zum vertikalen Farmer: Mut zur Veränderung


Am vergangenen Donnerstag, dem 19. Mai 2016, konnten im historischen Pfalzkeller fast 150 Personen ihre Diplome oder Zertifikate entgegennehmen.

Die Benedict-Schule zertifizierte Absolventinnen und Absolventen der folgenden Lehrgänge:

  • Deutsch als Fremdsprache - Intensivkurse
  • Bürofachdiplom VSH
  • Handelsschuldiplom VSH
  • Dipl. Wirtschaftsfachleute VSK
  • Kaufm. Grundkurs BBS
  • Sachbearbeiter Personalwesen VSK
  • Dipl. Arzt- und Spitalsekretärin / Med. Sekretärin H+
  • Dipl. Chefarztsekretärinnen
  • Dipl. Ernährungsberater/-in Benedict
  • Dipl. Gesundheitsmasseur/-in Benedict
  • ICT Assistant PC / Network BIZ

Nach dem rockigen Gitarrenauftritt des kanadischen Produzenten und Sängers Don Ayer hielt die Schulleiterin, Andrea Günther, eine Ansprache. Sie fragte nach der Bedeutung des technologischen Wandels für die Berufswelt. Werden in Zukunft Stellen durch die zunehmende Technisierung verschwinden oder ergeben sich neue Berufsbilder, die diesen Schwund wieder aufwiegen?
Andrea Günther zeigte auf, dass das "zweite technische Maschinenzeitalter", wie es ein Bostoner Forscher genannt hat, unaufhaltsam ist, beginnen doch Computer und Maschinen zunehmend Arbeiten zu übernehmen, die langweilig, eintönig oder schlicht zu vereinfachen sind. Dies stoppen zu wollen, sei so als versuche man, einen reissenden Strom mit einem einzigen Sandsack aufzuhalten. Die Frage, die noch niemand beantworten könne, sei, ob nicht unter dem Strich mehr neue interessante Berufsbilder und damit mehr Stellen entstünden als verschwänden. Auch die Einführung der Eisenbahn hätte Ängste auf den Plan gerufen und heute sei sie für jedermann selbstverständlich.
Gefragt von uns allen sei die Flexibilität, sich auf den Wandel einzustellen und stets hinzu zu lernen, auch, wenn Veränderung zunächst einmal Ängste wecke. Von der Idee des Berufes für ein ganzes Leben lang müsse man sich in Zukunft zunehmend verabschieden. Sie gratulierte den Diplomandinnen und Diplomanden, die bereits die Fähigkeit, sich entsprechend anzupassen und weiterzubilden, unter Beweis gestellt hätten. Sie machte Mut, sich auf die Veränderungen, die ohnehin unaufhaltsam seien, einzustellen und sich zu freuen an neuen, noch futuristisch anmutenden Berufsfeldern. Vielleicht seien schon unsere Kinder professionelle Datenmüll-Entsorger, Wohlbefindensberater für ältere Leute oder Vertikale Farmer.

Der Gastredner Andreas Koller, erfolgreicher Projektmanager und Berater (Artesis), inspirierte die Zuhörer dazu, die feine Linie zwischen Hochleistung und Burn-out sorgsam auszuloten und rief in diesem Sinne zu Genügsamkeit auf. Er ermutigte gleichzeitig zum Träumen und dazu mit einem "Ja" zu Herausforderungen über die eigenen Grenzen hinaus zu wachsen.

Dem festlichen Teil des Abends schloss sich im Kreise von Lehrern, Familie und Freunden ein reichhaltiger Apéro riche an, bei dem ausgiebig gefeiert wurde.


Rede von Frau A. Günther

Geschätzte Diplomandinnen und Diplomanden
Geschätzte Damen und Herren
Geschätzte Gäste


Ich begrüsse Sie herzlich zur Diplomfeier der Benedict-Schule St. Gallen. Insbesondere begrüsse ich unseren Gastredner, Herrn Andreas Koller, und danke ihm für sein Kommen.

Herr Koller ist eine faszinierende Persönlichkeit, der mit seiner Firma Artesis besonders spannende Ansätze im Projektmanagement und der Beratung verfolgt. Er bringt umfassende Erfahrungen aus den Branchen IT, Internet und e-Business, Anlagen- und Maschinenbau und Elektrotechnik mit. Sicher können wir uns von ihm inspirieren lassen.

Geschätzte Diplomandinnen und Diplomanden, im Moment ist viel vom Wandel der Berufswelt die Rede.

In verschiedenen Medien erschienen Berichte darüber, dass Computer und Roboter den Menschen zunehmend Arbeiten abnehmen. Das ist gut, oder? Das ist gut, sollte man meinen, denn es vereinfacht Prozesse. Langweilige Routinearbeiten z.B. im Bereich der Buchhaltung, aber auch ganz einfach im Haushalt können immer stärker Computer und Maschinen übernehmen. Denken Sie nur an die langsam überall aufkommenden Rasenmäh- und Staubsaugroboter. Andererseits, was bedeutet das für unsere Berufe?
In verschiedenen Zeitungen stand, dass einige Berufe verschwinden werden oder gar, dass "die künstliche Intelligenz" die Hälfte aller Stellen bedrohe. Vielleicht ist das ein etwas überzeichnetes Horrorszenario aber zum Beispiel die Berufe der Kassierer und der Buchhändler sind tatsächlich zunehmend in Gefahr. Waren Sie kürzlich in einem Supermarkt? Dann haben Sie sicher auch den Trend zu den Self-Check-out-Kassen gesehen. Und der neue Buchhändler heisst zunehmend Amazon.

Natürlich sagt man uns: Kauft bei eurem lokalen Buchhändler! Und das ist sicher eine gute Sache, um diesen zu unterstützen. Und unsere Supermarktketten erklären uns, dass die Selbst-Check-outs keineswegs die Kassiererin ersetzen sollen. Man kann das jetzt glauben oder auch nicht, eines ist klar: Ab und zu ein Buch beim lokalen Buchlädchen zu kaufen und im Supermarkt zur Kassiererin zu gehen, mag eine gute Tat sein. Auf die Dauer nützt das wohl nichts. Das ist so, als wolle man einen reissenden Strom mit einem einzigen Sandsack stoppen. Die Entwicklung ist unaufhaltsam. "Das zweite Maschinenzeitalter" nennt ein Forscher aus Boston die Epoche, die jetzt beginnt.

Wahrscheinlich müssen wir alle uns einfach darauf einstellen, dass unsere Berufswelt sich gerade massiv verändert. Und wenn Sie zufällig von Beruf Buchhändlerin oder Kassierer sind, dann wäre es wohl auch gut, sich über Veränderungsmöglichkeiten Gedanken zu machen.

Veränderung - das ist klar - macht vielen Menschen Angst.

Doch überlegen Sie mal, wie viele Menschen Bedenken hatten, als die ersten Eisenbahnen fuhren. Die Bauern hatten Angst, dass die Kühe erschreckt würden. Die Ärzte sorgten sich, dass der menschliche Organismus, die Geschwindigkeit nicht vertragen würde. Man forderte sogar Wände um die Eisenbahnstrecken, damit weder das Auge der Passanten schnell vorbeifliegende Landschaften ertragen müsse, noch die Fussgänger den Anblick des vorbeifahrenden Zuges würden aushalten müssen. Und die Fuhrwerkbetreiber hatten ohnehin grosse Bedenken und hielten nicht viel von Zügen - klar, denn ihre Existenz wurde bedroht.

Die Wahrheit über die Veränderungen, die im Augenblick stattfinden, ist: Niemand kann genau sagen, ob die wachsende Automatisierung unter dem Strich Stellen kosten wird. Denn: es entstehen gerade wegen der technischen Entwicklung auch neue Berufsfelder und damit Stellen.

"Welche?", fragen Sie.

Da kann man Zukunftsforscher fragen, man kann aber auch einen Blick in die USA werfen, die dort mal wieder einen Schritt weiter sind:

Zum Beispiel gibt es dort bereits den Beruf der Digitalen Bestatterin.
Mit dem Tod eines Menschen stirbt sozusagen auch die digitale Persönlichkeit. Die digitale Bestatterin kümmert sich um das Online-Erbe des Verstorbenen.

Andere interessante neue Berufe, mit denen wir in Zukunft rechnen können, und die heute noch sehr futuristisch anmuten, sind z.B.:
Der Roboter-Berater, der Vertikale Farmer und der Auto-Transport-Analytiker.

Der Roboter-Berater unterstützt vermögende Kunden bei der Wahl der richtigen Haushaltsroboter und hilft, wenn Probleme auftreten.

Der Vertikale Farmer betreibt in den Städten grosse, in die Höhe gebaute Treibhäuser.

Da der öffentliche Verkehr in Zukunft wohl vollautomatisch ablaufen wird,  mag es dann zwar keinen Busfahrer oder Lokführer mehr geben, dafür aber den Auto-Transport-Analytiker - denn irgendwer muss diesen Verkehr ja überwachen und eingreifen, wenn sich Probleme ergeben. Dies ist also ein gutes Beispiel dafür, wie durch den Wegfall einiger Berufe auch wieder neue entstehen.

Unsere Kinder werden in der Zukunft vielleicht Avatar-Entwickler, professionelle Spieletester, Datenabfall-Entsorger oder Wohlbefindens-Berater für ältere Leute sein.

Klar ist, dass einerseits Computerkenntnisse und Programmier-kenntnisse in Zukunft eine höhere Bedeutung haben. Es gibt schon Stimmen, die sagen: "Programmieren ist das neue Latein", denn es wird in Zukunft genauso zur wichtigen Grundbildung gehören wie früher Latein, und auch den Geist ebenso schulen.

Andererseits werden aber auch die "social skills", also Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfertigkeiten, Fähigkeit zur Teamarbeit besonders wichtig werden - denn das kann vorerst keine Maschine.

Und am wichtigsten: Von uns allen wird gefordert, flexibel zu sein. Wir können uns nicht mehr darauf verlassen, im einmal erlernten Beruf alt zu werden. Im Gegenteil, es wird die Regel sein, dass man sich weiterbildet und umorientiert - und wie bereits heute, immer wieder dazu lernt oder sogar einen neuen Beruf erlernt.

Diese Fähigkeit zur Flexibilität und diese Bereitschaft zum Lernen, liebe Diplomandinnen und Diplomanden - also die wichtigste Eigenschaft der Zukunft - gratuliere, die haben Sie bereits unter Beweis gestellt.

Das ist ausgezeichnet, denn wir können nicht am Pferde-Fuhrwerk festhalten, wenn die Eisenbahn bereits herangebraust kommt.

Ich gratuliere Ihnen aber nicht nur zu Ihrer Flexibilität, sondern auch zu Ihrer Lernfähigkeit und Ihrem Durchhaltevermögen. In einen Lehrgang hat man sich schnell eingeschrieben, aber das Diplom hält man dann noch keineswegs in der Hand. Dazu braucht es schlicht Arbeit. Arbeit, die Ihnen kein Roboter und keine Maschine abnimmt. In gewissen Prüfungen konnten Sie vielleicht noch auf den Taschenrechner oder den PC zählen, aber das Lernen und das Denken das hat Ihnen niemand abgenommen.
Ich gratuliere Ihnen zu Ihrer grossartigen Leistung - Sie haben sich Ihren Abschluss und eine würdige Feier heute sehr redlich verdient.

Übrigens: Wenn Sie sich gerade im Bereich der Gesundheits- und Medizinberufe bei uns weitergebildet haben, liegen Sie goldrichtig - denn dem gesamte Bereich der Health Care Berufe wird eine rosige Zukunft prophezeit. Und wer sich im Bereich der Computerkenntnisse weitergebildet hat, macht sowieso alles richtig.

Doch für Sie alle, geschätzte Diplomandinnen und Diplomanden, gilt, dass Sie für die Zukunft gewappnet sind, denn die wichtige Grundvoraussetzung - flexibel reagieren zu können - die bringen Sie mit.

Bedanken möchte ich mich sehr herzlich noch bei Ihren Kursleiterinnen und Dozenten - auch sie haben zu Ihrem Erfolg wichtige Elemente beigetragen.

Nochmals herzliche Gratulation!